Lieber weniger, dafür besser: Warum es sich lohnt, bei Kinderspielzeug genauer hinzuschauen
Ein neues Spielzeug hier, eine kleine Überraschung dort – gerade für Kinder ist die Versuchung groß, immer wieder etwas Neues zu kaufen. Und wenn Spielzeug online teilweise nur wenige Euro kostet, landet schnell noch das ein oder andere Teil zusätzlich im Warenkorb.
Doch gerade bei Produkten, die täglich durch kleine Hände gehen, auf denen geklettert, gebaut und gespielt wird und die bei den Kleinsten auch mal im Mund landen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn günstig ist nicht automatisch schlecht. Aber extrem günstig sollte uns zumindest dazu bringen, Fragen zu stellen.
Wenn Spielzeug nur wenige Euro kostet – wer zahlt den eigentlichen Preis?
Produkte müssen hergestellt, verpackt, gelagert und teilweise einmal um die halbe Welt transportiert werden. Dazu kommen Rohstoffe, Maschinen, Qualitätskontrollen und natürlich die Menschen, die all das möglich machen.
Wenn ein Produkt trotz all dieser Schritte zu einem extrem niedrigen Preis angeboten werden kann, stellt sich zwangsläufig die Frage, an welchen Stellen gespart wurde.
Wie wurden die Menschen bezahlt, die es hergestellt haben? Unter welchen Bedingungen arbeiten sie? Woher stammen die verwendeten Materialien? Welche Kontrollen haben stattgefunden?
Gerade bei Ultra-Low-Cost-Plattformen wie Temu & Co. sind Lieferketten für Verbraucher häufig nur schwer nachvollziehbar. Ein niedriger Preis allein beweist natürlich keine schlechten Arbeitsbedingungen – doch fehlende Transparenz macht es schwierig, verantwortungsvolle Herstellung überhaupt nachzuvollziehen.
Bei Kinderspielzeug sollte Sicherheit nicht verhandelbar sein
Noch wichtiger wird die Frage nach der Herkunft, wenn ein Produkt für Kinder bestimmt ist.
Kinder ertasten ihre Umwelt, nehmen Gegenstände in den Mund, liegen darauf, kuscheln damit und haben teilweise über Jahre hinweg intensiven Kontakt zu ihrem Spielzeug. Deshalb gelten in Europa umfangreiche Anforderungen an die Sicherheit von Kinderspielzeug.
Trotzdem zeigen Kontrollen und Warnmeldungen immer wieder, dass insbesondere bei direkt importierten Billigprodukten nicht alle Produkte den europäischen Anforderungen entsprechen. Beanstandet werden beispielsweise unzulässige oder zu hohe Konzentrationen bestimmter Schadstoffe, problematische Weichmacher, verschluckbare Kleinteile oder andere Sicherheitsmängel.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes günstige Produkt oder jedes Produkt aus China gefährlich ist. Und genauso wenig ist ein hoher Preis automatisch ein Qualitätssiegel.
Entscheidend ist etwas anderes: Nachvollziehbarkeit.
Wer hat das Produkt hergestellt? Welche Materialien wurden verwendet? Gibt es einen verantwortlichen Hersteller oder Händler? Welche Standards werden eingehalten? Und gibt es jemanden, der im Zweifel auch tatsächlich Verantwortung für das Produkt übernimmt?
Gerade bei Spielzeug finden wir: Diese Fragen sollten wir beantworten können.
Wir brauchen nicht immer mehr Spielzeug
Neben Sicherheit und Produktionsbedingungen gibt es noch einen weiteren Gedanken, der uns besonders wichtig ist: Wie viel brauchen Kinder eigentlich wirklich?
Kinderzimmer müssen nicht bis oben hin mit Spielzeug gefüllt sein, um unzählige Spielmöglichkeiten zu bieten.
Ganz im Gegenteil.
Ein Spielzeug, das heute eine Höhle ist, morgen ein Parcours, übermorgen ein Kaufladen und irgendwann eine Sitzlandschaft, kann viele einzelne Produkte ersetzen. Materialien, die Kindern nicht vorgeben, was sie damit tun sollen, wachsen mit ihrer Fantasie – und im besten Fall auch mit ihrem Alter.
Das ist einer der Grundgedanken von Open-Ended Play und auch ein Gedanke, der uns bei bygge von Anfang an begleitet.
Nicht möglichst viel besitzen. Sondern möglichst viel mit dem machen können, was bereits da ist.
Qualität darf etwas kosten – sollte dafür aber auch etwas leisten
Wir wissen, dass bygge kein Spielzeug ist, das jede Familie mal eben nebenbei kauft.
Ein größeres Set ist eine Investition. Und uns ist bewusst, dass diese Investition nicht für jedes Familienbudget jederzeit möglich ist.
Unser Anspruch ist deshalb aber auch nicht, ein Produkt zu entwickeln, das für einen kurzen Spieltrend gekauft und ein Jahr später aussortiert wird. Unser Spielsystem soll Kinder über viele Jahre begleiten, sich verändern dürfen und immer wieder neue Möglichkeiten eröffnen.
Aus Bausteinen werden Balancierstrecken. Aus Balancierstrecken entstehen Tiere. Später vielleicht ein Tisch, ein Hocker, ein Parcours oder etwas, auf das wir Erwachsenen niemals gekommen wären.
Und wenn ein System lange genutzt, erweitert, weitergegeben und von mehreren Kindern bespielt werden kann, verändert sich auch der Blick auf seinen Preis.
Gemeinsam schenken statt zehn Kleinigkeiten
Vielleicht muss ein größeres Spielzeug auch gar nicht von einer Person allein geschenkt werden.
Oma und Opa, Tanten, Onkel, Patentanten oder Freunde fragen zu Geburtstagen und Weihnachten ohnehin häufig: „Was können wir schenken?“
Warum also nicht zusammentun?
Statt vieler kleiner Geschenke, die nach wenigen Wochen kaum noch Beachtung finden, kann die Familie gemeinsam in etwas investieren, das lange bleibt. Und zu späteren Anlässen kann das bestehende Spielsystem Stück für Stück erweitert werden.
So entsteht über die Jahre etwas, das mit dem Kind wächst.
Nicht perfekt konsumieren – sondern bewusster
Uns geht es dabei nicht darum, Familien vorzuschreiben, wo sie einkaufen dürfen. Und bewusster Konsum bedeutet auch nicht, dass jedes Spielzeug teuer, regional produziert oder für die Ewigkeit gemacht sein muss.
Aber vielleicht können wir uns vor dem nächsten Kauf ein paar einfache Fragen stellen:
Brauchen wir das wirklich? Wissen wir, woraus es besteht? Können wir nachvollziehen, woher es kommt? Wird mein Kind länger damit spielen? Und würde ich lieber einmal etwas Gutes kaufen als fünfmal etwas Neues?
Gerade bei Plattformen, deren Geschäftsmodell auf extrem niedrigen Preisen und riesigen Mengen basiert, lohnt sich dieser zweite Blick besonders.
Denn am Ende ist der günstigste Preis nicht unbedingt der beste Deal.
Manchmal ist das nachhaltigste Spielzeug nicht das, das am wenigsten kostet – sondern das, das wir möglichst lange gar nicht ersetzen müssen. 🤍